Premier vor Gericht Netanjahus Legende MARCUS MÄCKLER

Premier vor Gericht. Netanjahus Legende .

MARCUS MÄCKLER

Kapitulation? Ach was! Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu mag den Widerstand gegen einen Korruptionsprozess aufgegeben haben, den Kampf um eine weitere Amtszeit nicht. Sein Wille zur Macht scheint – trotz der von ihm mitverursachten politischen Lähmung des Landes und der Gefahr, bald im Gefängnis zu sitzen – ungebrochen. Jedenfalls zieht er wenige Tage vor der dritten Parlamentswahl binnen eines Jahres alle Register.

Von Washington aus strickt der Premier an einer Legende, die ihn im Amt halten soll. Sie geht so: Während ich in den USA Geschichte schreibe und den Nahost-Konflikt befriede, zerren mich die politischen Gegner daheim in böser Absicht vor Gericht. So soll wohl der Eindruck entstehen, als richte sich der Prozess nicht gegen ihn, sondern gegen seine Politik. Das ist nicht viel mehr als ein Ablenkungsmanöver in größter Not, bei dem ihn sein Freund im Weißen Haus – der mit dem angeblichen Jahrhundert-Deal für den Nahen Osten – kräftig unterstützt.

Ob das aufgeht, ist nicht gesagt. Dass der gestern vorgestellte Friedensplan auch wirklich Frieden bringt, ist unwahrscheinlich. Und ob die Israelis Netanjahu jetzt, da es zum Prozess und womöglich zu einer Verurteilung kommt, zum Sieg verhelfen, darf auch bezweifelt werden. Er könnte es ihnen leicht machen und sich angesichts seiner Situation zurückziehen. Ihm werden immerhin Beeinflussung von Medien und Klüngelei mit Unternehmerfreunden vorgeworfen – keine Kleinigkeiten. Stattdessen versucht er, sich trotzig an der Macht zu halten. Es ist an den Israelis, dem ein Ende zu bereiten.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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