Präsidentschaftswahl in Taiwan Der Stachel im Fleisch Pekings

Präsidentschaftswahl in Taiwan. Der Stachel im Fleisch Pekings .

ALEXANDER WEBER

Wenn an diesem Wochenende die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Taiwan nach Peking übermittelt werden, dürfte bei den kommunistischen Machthabern dort der Blutdruck gewaltig steigen. Denn alle Vorzeichen deuten auf eine Wiederwahl der resoluten Amtsinhaberin Tsai Ing-wen hin – einer Frau, die sich vehement gegen den Machtanspruch Pekings stemmt, die kleine Insel dem Reich der Mitte einzuverleiben. Chinas Staatspräsident Xi Jinping selbst hatte angekündigt, dieses Ziel nicht mehr auf die nächste Generation zu vertagen, sondern in absehbarer Zeit zu realisieren – notfalls sogar militärisch.

Was vom Versprechen der chinesischen Diktatoren zu halten ist, es gebe zwar nur ein China, man werde aber zwei politisch-wirtschaftliche Systeme tolerieren, sieht man am Beispiel Hongkong. Immer wieder versucht Peking, die ehemalige britische Kolonie am Gängelband zu führen. Abschreckend auf die Taiwanesen wirkt zugleich der an Erpressung grenzende Einfluss Chinas auf andere Staaten mit dem Ziel, Taiwan international zu isolieren. Mit aller Kraft muss sich die kleine Insel-Demokratie gegen den Verlust der Eigenständigkeit stemmen. Von der heimlichen Hoffnung Taiwans, das zarte Pflänzlein Demokratie bei immer engeren Kontakten nach Festland-China zu exportieren, ist man weit entfernt. Die Verteidigung des Status quo, der Erhalt der Unabhängigkeit, ist das höchste der Gefühle. Dafür steht Tsai Ing-wen.

Alexander.Weber@ovb.net

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