Porto soll dramatisch steigen Der Brief ist kein Auslaufmodell

Porto soll dramatisch steigen. Der Brief ist kein Auslaufmodell.

MARTIN PREM

Jahrelang hat die Post ihr Briefmonopol mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wer täglich jeden Einödhof und jede Hallig mit Briefen beliefert, müsse vor Konkurrenz geschützt sein, hieß es. Lange Zeit hat man mit diesem Argument risikolose Gewinne eingestrichen. Preiswächter hatten immerhin ein Auge darauf, dass die Post beim Porto nicht über die Stränge schlug.

Ihr Blick scheint nun getrübt zu sein. Von 70 auf bis zu 90 Cent pro Standardbrief soll das Porto nun steigen dürfen. Das sind über 28 Prozent Erhöhungsspielraum. Selten hat ein – nach wie vor marktbeherrschendes Unternehmen – mit Segen seiner politischen Aufseher so ungeniert zugeschlagen. Angeblich, weil der Post die Kosten davonlaufen.

Wenn das wirklich so wäre, sollte man sparen. Zunächst an den inneren Strukturen – bei denen alle ehemaligen Bundesunternehmen noch einen gewissen Nachholbedarf haben. Dann erst könnte man über Leistungsumfänge nachdenken und zuletzt über die Preise. Es mag sein, dass der geschriebene Brief im Geschäftsleben ein Auslaufmodell ist. Für viele ältere Menschen mit häufig bescheidenen Mitteln ist er das nicht. Für sie bleibt er ein unverzichtbares Stück Lebensqualität, das wir in jedem Fall erhalten sollten.

Martin.Prem@ovb.net

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