Meinung

Politischer Aschermittwoch: Mehr Klartext und weniger Wortbrei

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Für Feingeister war der Passauer Hallenmief von Fischsemmel und Vormittagsbier nie leicht genießbar. Aber jetzt, wo die Pandemie Bayerns urgewaltigen politischen Aschermittwoch zum dünnen Digital-Akt schrumpft, wird deutlich: Da fehlt was.

In allen Parteien. Politik braucht Formate, in denen sie leidenschaftlich, laut, konfrontativ ist, in denen sie direkte Rückmeldung von der Basis bekommt. Sie braucht dringend mehr davon.

Die Politik, vor allem in Berlin, krankt an ihrer verdrechselten Sprache. Jedes Statement irgendeines Ministers, der unerkannt über deutsche Marktplätze laufen könnte, wird von Heerscharen an Pressesprechern und Hausjuristen dünngequirlt. „Sorgen ernstnehmen“, „niemanden zurücklassen“, „tragfähige Lösung für die Menschen da draußen“ – was für ein Floskelbrei! Ja nicht anecken: So funktioniert das Merkel-Konzept der asymmetrischen Demobilisierung auch in Worten.

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Schön sanft klingt das – doch am Ende reden Politiker anders als ihre Wähler. Dazu kommt zu oft eine gepflegte Überheblichkeit: Über Hubert Aiwangers bildhafte, dialektgefärbte Wortwahl zu lachen, aber Robert Habecks philosophische Phrasen superklug zu finden, sagt auch was aus über die Wertschätzung von Wählergruppen.

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Gleichzeitig ballen sich die Parteien in der Mitte. Profis können Positionen auseinanderhalten. Für die Mehrheit der Wähler steigt nur der Eindruck, eigentlich sagten alle etablierten Parteien ungefähr das Gleiche. Je fader die Mitte, desto spannender werden radikale Ränder. Der Gegenentwurf ist nicht Niveaulosigkeit und Gebrüll – aber öfter Klartext wie beim echten Aschermittwoch.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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