Politiker beraten über Ende des Stillstands Auf Trampelpfaden in die Corona-Normalität

Politiker beraten über Ende des Stillstands. Auf Trampelpfaden in die Corona-Normalität .

GEORG ANASTASIADIS

16 Ministerpräsidenten und eine Kanzlerin suchen heute nach dem Fahrplan zurück in eine, wie NRW-Chef Armin Laschet es nennt, „verantwortungsvolle Normalität“ nach der Schließung des Landes. Doch was ist in Zeiten von Corona normal? Die neue Achse zwischen Angela Merkel und ihrem Ex-Widersacher Markus Söder ist es genauso wenig wie der Umstand, dass die für den Alltag der Bürger wichtigste Entscheidung der letzten Jahre maßgeblich geleitet ist von den Einlassungen einer Handvoll Experten, deren Namen bis vor kurzem kaum ein Mensch kannte.

Welcher Weg also soll es nun sein, der das Land aus dem Stillstand herausführt? Ein heftiges Tauziehen ist programmiert. Die Kanzlerin steht auf Seiten derer, die für größtmögliche Vorsicht plädieren. Denn Corona entscheidet nicht nur über Leben. Sondern auch darüber, ob Merkel als glücklose Flüchtlingskanzlerin in die Geschichte eingeht – oder als die Frau, die die Viruskrise gemeistert hat. Die Zahl der Virustoten ist am Ende ihre Bilanz. Doch hat ausgerechnet der Expertenrat namens „Leopoldina“, auf den Merkel besonders aufmerksam zu hören versprach, nun erheblich weitergehende Lockerungen vorgeschlagen – etwa die Öffnung der Schulen auch für kleine Kinder. Für die Kanzlerin ist das misslich. Denn der von der Leopoldina vorgeschlagene ist der für die Wirtschaft erträglichere Weg; für Merkel aber der riskantere.

Am wahrscheinlichsten ist es, dass sich jedes Bundesland – je nach Betroffenheit (und politischer Ambition des Ministerpräsidenten) – seinen eigenen Trampelpfad aus dem Dickicht der Pandemie sucht. Für Bayern heißt das: Während Läden und Bau- und Gartenmärkte auf Lockerungen hoffen dürfen und für ältere Schüler, gerade in den Abschlussklassen, ab Mai der Unterricht wieder startet, werden Kitas und Grundschulen noch lange zu bleiben, ebenso Wirtshäuser. Alkoholkonsum und Corona-Bekämpfung vertragen sich nicht. Was das für die Wiesn bedeutet, kann sich jeder an den Fingern einer Hand ausrechnen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Kommentare