Planlos im Pentagon

US-Truppenabzug aus Deutschland. MIKE SCHIER.

Die Nachricht selbst kam nicht mehr überraschend, auch beim Überbringer wundert einen eigentlich gar nichts mehr: Und doch verstört es, mit welcher Wucht Donald Trump den Abzug eines großen Teils der US-Truppen aus Deutschland offiziell verkündete. Richtig ist, dass sich auch gemäßigtere US-Politiker wünschen, Berlin würde sicherheitspolitisch deutlich mehr Verantwortung übernehmen. Falsch ist aber, wenn Trump meint, mit seiner unverhohlenen Bestrafungsaktion nur Deutschland zu treffen – vor allem wirtschaftlich.

Denn die US-Truppen beschützen keineswegs nur die Bundesrepublik und andere Europäer vor möglicher russischer Gefahr. Nein, Deutschland gilt als zentraler Stützpunkt für fast alle US-Einsätze in den Krisenregionen. Viele Manöver werden von hier aus geplant und gesteuert. Fast jeder US-Soldat, der in Afghanistan oder im Irak verletzt wird, landet erst einmal im Militärhospital in Ramstein. Trumps Entscheidung dürfte seiner Erzfeindin Angela Merkel also weniger Kopfzerbrechen bereiten als den eigenen Truppen – zumal der schroffen Ankündigung offenbar kein echter Plan zugrunde liegt.

Drei Jahre lang versucht das westliche Bündnis nun, den irrlichternden Präsidenten auszusitzen. Doch wie lange geht das? Immer klarer wird, wie schicksalhaft die US-Wahl im November auch für Europa ist. Vier weitere Jahre Trump wären furchtbar. Doch selbst falls der Sieger Biden hieße, werden die EU-Staaten in Sachen Sicherheit besser zusammenarbeiten müssen. Die Fliehkräfte in Washington, aber auch in London und Ankara sind groß.

Mike.Schier@ovb.net

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