Die Pflicht-Tests müssen bleiben

Lockerungen für Türkei-Reisen. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

So ein vergurktes Timing muss man auch erst mal hinbekommen: An dem Tag, an dem die Infektionszahlen in der Türkei deutlich steigen und die hohen Fallzahlen infizierter Urlaubsheimkehrer publik werden, hebt das Bundesaußenministerium seine Reisewarnung für Teile des Landes auf. Eine dicke PR-Panne – aber auch inhaltlich schwierig. Deutschland knickt ein vor Erdogans Druck, der (nachvollziehbar) um den Tourismus bangt.

Es geht nicht darum, Urlaubern die Reise in das wunderschöne Land zu vergällen oder hunderttausenden Menschen mit türkischen Wurzeln den Sommer in der Heimat. Sehr wohl geht es aber um den Anspruch der Bevölkerung auf konsequenten Infektionsschutz. Was taugt das türkische Angebot, bei Ausreise einen Coronatest zu verlangen? Es klingt gut, doch die türkische Regierung hat wenig Interesse daran, eine hohe Zahl infizierter Ausreisender zu ermitteln. Und: Sind Test- und Quarantäne-Standards vergleichbar? Wer kontrolliert? Wie streng?

Es braucht jetzt eine klare Linie, vor allem in Bayern zur Ferienzeit: Für Türkei-Rückkehrer, egal, von und an welchem Flughafen, muss es weiterhin Quarantäne-Regeln und endlich Pflicht-Tests auf deutscher Seite geben. Die Behörden wären sträflich naiv, sich jetzt auch noch beim Infektionsschutz in Erdogans Hände zu begeben.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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