Pflegeheime sind keine Gefängnisse

Einsame Senioren . KATRIN WOITSCH.

Was die Pflegeheime gerade leisten müssen, ist sicher keine einfache Aufgabe. Sie müssen die Senioren vor dem Virus schützen – und gleichzeitig darauf achten, dass ihre Bewohner nicht vereinsamen. Es war richtig, den Einrichtungen zu überlassen, wie sie Besuche wieder möglich machen. Denn die Ausgangsbedingungen sind nicht überall gleich. In einigen Regionen gab es sehr viele Corona-Fälle, nicht alle Heime haben große Außenbereiche. Viele Einrichtungen haben enorme Kreativität bewiesen, damit Senioren ihre Familien wieder regelmäßig sehen können. Doch in manchen Heimen leiden auch jetzt – nach der Lockerung des Besuchsverbots – noch viele Bewohner enorm unter Einsamkeit.

Die Corona-Krise macht sichtbar, wie groß der Unterschied ist, den es bei Pflegeheimen gibt. Da sind die, die schon vor Monaten mit den Senioren Videoanrufe gestartet und Briefe an die Familien geschrieben haben, damit sie den Kontakt halten können. Und es gibt Heime, die den Bewohnern auch jetzt noch Spaziergänge verbieten und keine Besuche ermöglichen, ohne das abzufangen. Ältere Menschen vor dem Virus schützen zu wollen, rechtfertigt nicht, sie wegzusperren. Pflegeheime dürfen auch in Pandemie-Zeiten nicht zu Gefängnissen werden. Sonst wird es dort weitere Corona-Opfer geben – die dann nicht an, sondern wegen des Virus gestorben sind.

Katrin.Woitsch@ovb.net

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