Pflege-TÜV Es braucht klare Aussagen SEBASTIAN HORSCH

Pflege-TÜV. Es braucht klare Aussagen .

SEBASTIAN HORSCH

Die alten Pflegenoten für Heime haben völlig zu Recht wohl bald ausgedient. Die bundesweite Durchschnitts-Bewertung lag im Oktober bei 1,2. Das ist lächerlich. Niemand braucht ein Bewertungssystem, in dem alle Häuser immer mit „sehr gut“ abschneiden, weil schlechte Pflege durch nette Nebensächlichkeiten wie hübsch aufbereitete Speisepläne ausgeglichen werden kann.

Der neue Pflege-TÜV soll ab Herbst 2019 endlich belastbarere Bewertungen liefern. Es ist gut, dass dann genauer hingeschaut wird und die tatsächliche Qualität der täglichen Pflege in den Mittelpunkt rücken soll. Eine große Schwäche des Konzepts könnte allerdings die geplante Darstellung der Ergebnisse werden. Denn das aus verschiedenen Kategorien und Kästchen bestehende Punktesystem wirkt auf den ersten Blick nicht gerade nutzerfreundlich. Auch wenn passionierten Medizinstatistikern dabei das Herz aufgehen mag: Den meisten Laien dürfte eine Einschätzung schwerfallen, ob drei Kästchen in Kategorie B noch recht gut sind oder schon ein Ausschlusskriterium, das auch durch vier Kästchen in Kategorie D nicht mehr gutzumachen ist.

Es heißt, die Gutachter wollten keine Symbole verwenden, die bereits in anderen Bewertungssystemen etabliert sind. Und aus der Sicht der Wissenschaftler ist der Wunsch ja auch verständlich, dass ihr Konzept nicht daherkommen soll wie eine Hotelbewertung. Doch am Ende muss der Pflege-TÜV vor allem denjenigen Menschen dienen, die vor einer schwierigen Entscheidung stehen und dabei auf eine Orientierungshilfe hoffen. Was sie brauchen, sind klare Aussagen: gutes Heim oder nicht? Deshalb muss es zusätzlich zur detaillierten Bewertung unbedingt noch eine vereinfachte Zusammenfassung geben, die dabei hilft, die Ergebnisse einzuordnen. Vor schlechten Heimen muss gewarnt werden, gute sollten herausgehoben werden – sei es nun in Form von Noten, Sternen oder einer Ampel.

Sebastian.Horsch@ovb.net

Kommentare