Perspektive für Gottesdienste Mehr als nur ein Hoffnungsschimmer

Perspektive für Gottesdienste. Mehr als nur ein Hoffnungsschimmer .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Wir sind ein Volk von Gelegenheitschristen geworden, beschränkt auf die Weihnachtsmesse und ab und zu ein Stoßgebet. Das darf jeder für sich so entscheiden. Doch gerade jetzt in der Corona-Krise, die den Alltag komplett durchpflügt und abrupt mehr Freunde, Verwandte aus unserer Mitte reißt, suchen viele Menschen neu nach Halt und Trost. Die Türen der Kirche standen früher immer offen, sie würde das gerne bieten – und darf nicht. Das strikte Verbot von Gottesdiensten mag sich anfangs weniger schlimm angefühlt haben als die Sperrung des Biergartens. Es ist aber der viel extremere Staatseingriff.

Kreative Pfarrer haben im Internet Ersatzangebote geschaffen. Löblich, aber kaum mehr als eine Notlösung für die Generation nicht netzaffiner Kirchgänger. Die Online-Predigt und die gestreamte Beerdigung sind auch nicht die Zukunft der religiösen Gemeinschaften. Ihr Herzstück bleibt das Zusammentreffen der Gläubigen.

Die Kirchenfunktionäre haben mit Skandalen und fortschreitender Politisierung jüngst nicht jedem Vertrauen in ihre Institutionen eingeflößt. In der Virus-Krise war ihr Kurs aber bemerkenswert konstruktiv, vernünftig, klaglos; selbst, als die Osterfeiern komplett gestrichen wurden. Auch viele Moscheegemeinden haben die Restriktionen trotz Ramadan-Beginn – aus virologischer Sicht eine Hochrisikophase – klug begleitet. Das schafft Vertrauen, um einen Weg aus dem Ausnahmezustand zu suchen. Die Abstands-, Einlass- und Maskenregeln müssen vorerst streng sein, komplizierter als im Ladengeschäft. Aber das geht. Ein Land, das seine Baumärkte wieder aufsperrt, sollte nicht an der Kirchenöffnung scheitern.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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