Vom Partner zum Problembär

Türkei blockiert Nato-Plan. ALEXANDER WEBER.

Die Türkei verwandelt sich immer mehr vom Partner zum Problembär des Westens. Jüngstes Beispiel: Die Blockade des neuen Nato-Konzeptes für Osteuropa. Also jene Länder, die sich spätestens seit der Okkupation der Krim durch Russland in besonderem Maße bedroht fühlen und deshalb verstärkte Unterstützung gegen etwaige Begehrlichkeiten Moskaus wünschen.

Präsident Erdogan hat sich offenbar entschlossen, mit seiner Blockade die Nato für eigene Interessen im nahöstlichen Konfliktfeld zu instrumentalisieren und sie für seinen Kampf gegen die Kurden in Syrien und Irak einzuspannen. Bisher wehren sich Europäer und Amerikaner dagegen, kurdische Kämpfer, die an vorderster Front gegen den Islamischen Staat standen, auf Erdogans Altar pauschal als Terroristen zu opfern. Genau hier setzt der Sultan vom Bosporus nun den Erpresserhebel an – und sein Freund Putin in Moskau lacht sich ins Fäustchen. Erdogans Sündenregister wächst: die Provokationen im östlichen Mittelmeer wegen der Gasvorkommen; das ständige Zündeln mit dem Flüchtlingspakt der EU – oder zuletzt der Verstoß gegen die Berliner Libyen-Beschlüsse. Dort versprach Erdogan mitzuhelfen, die Waffenlieferungen nach Libyen zu unterbrechen, um den Bürgerkrieg endlich zu beenden. Doch es waren türkische Marineschiffe, die die Kontrolle eines tansanischen Frachters durch die EU verhinderten. Schöner Partner!

Alexander.Weber@ovb.net

Kommentare