SPD vor dem Parteitag Sehnsucht nach Klarheit MARCUS MÄCKLER

SPD vor dem Parteitag. Sehnsucht nach Klarheit .

MARCUS MÄCKLER

Ist die Revolution schon wieder abgesagt? Das neue Spitzenduo der SPD ist noch nicht mal gewählt, da sehen Partei-Linke ihre große Hoffnung zerbrechen: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben sich vom schnellen GroKo-Aus distanziert. Selbst Chefkritiker Kevin Kühnert mahnt, die Konsequenzen zu bedenken.

Das ist vielleicht keine Kehrtwende (das Versprechen, die GroKo sofort kurz und klein zu hacken, hat vernünftigerweise niemand gegeben) – aber es ist eine Erdung in Rekordzeit. Denn auch mit neuer Führung ist das Dilemma der SPD das alte geblieben. Die eine Seite, das Partei-Establishment, verweist auf die ordentliche Arbeit in der Koalition, die andere fragt: Was hat’s uns gebracht? Beides hat seine Berechtigung. Bei allem Verständnis für die strategische Zwickmühle muss aber klar sein: Esken und Walter-Borjans sind nicht für ein „Weiter so“ gewählt worden. Ein Herumeiern mit Blick auf die GroKo-Frage, wie das Tauziehen um die Formulierung des Leitantrags für den Parteitag befürchten ließ, kann sich die neue Spitze nicht erlauben. Die SPD-Basis sehnt sich nach Klarheit. Raus gehen oder drin bleiben? Bitte klären – auch im Sinne des Landes – und dann abhaken.

Dass zuletzt sogar der linke Flügel der SPD über die Frage in Streit geriet, wie radikal die GroKo-Frage zu stellen sei, mag vor einem so richtungsweisenden Parteitag dazu gehören. Alle sind nervös, verständlich. Wichtig, vielleicht existenziell ist, dass die Genossen geschlossen und mit geradem Rücken aus dem Wochenende kommen. Die Zeit der Selbstzweifel und Selbstzerfleischung muss vorbei sein. Sonst gehört die Zukunft anderen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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