Meinung

Die Bundesregierung sollte nicht an der Ostsee-Pipeline festhalten

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Das Projekt war von Anfang an eine geostrategische Torheit.

Es gibt einige in Deutschland, die fest daran glauben, dass nicht Russlands Geheimdienst für die Vergiftung des Oppositionsführers Alexej Nawalny verantwortlich war. Sondern die amerikanische CIA, die damit Präsident Putin in Misskredit bringen wollte, um den Bau der Ostsee-Pipeline zu torpedieren. Sicher findet sich eine passende Verschwörungstheorie, um auch den Tod von Sergej Maximischin dem Westen in die Schuhe zu schieben. Der Arzt hatte Nawalny nach dessen Notlandung in Sibirien das Leben gerettet. Jetzt ist er selbst mit 55 plötzlich gestorben.

Auf die Reihe von Merkwürdigkeiten in Putins Russland hat sich der EU-Außenbeauftragte Borrell derweil seinen eigenen Reim gemacht. Er sieht das Verhältnis zu Moskau auf dem „Tiefpunkt“. Russlands Außenminister Lawrow hält das nicht davon ab, die Notwendigkeit besserer Beziehungen zur EU zu betonen – was er allerdings ausgerechnet damit unterstreicht, dass er am Tag von Borrells Besuch mehrere europäische Diplomaten ausweisen lässt.

Der Kreml mag unverdrossene deutsche Putin-Bewunderer noch immer für dumm verkaufen können. Doch darf das nicht für die Bundesregierung gelten. Deren krampfhaftes Festhalten am Weiterbau der Ostsee-Gaspipeline mutet angesichts der zynischen Signale aus Moskau und des Kopfschüttelns unserer wichtigsten Verbündeten mittlerweile fast gespenstisch an. Das Projekt war von Anfang an eine geostrategische Torheit, weil ihm Moskaus Plan zugrunde lag, Europa zu spalten und seine Energieversorgung zu kontrollieren. Jetzt, da immer klarer wird, wem man sich da ausliefert, ist Nord Stream tot. Merkels Bundesregierung sollte sich nicht länger begriffsstutzig geben.

Schreiben Sie unserem Autor: Georg.Anastasiadis@ovb.net

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