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Organspende-Entscheidung im Deutschen Bundestag: Der Schritt war zu groß

  • vonSebastian Horsch
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Der Bundestag hat gesprochen. Organspender wird weiterhin nur, wer sich bewusst dafür entscheidet. Am Ende war das Abstimmungsergebnis überraschend deutlich. Doch es geht diesmal nicht darum, ob Jens Spahn nun eine Niederlage erlitten hat oder andere einen Triumph feiern.

Berlin - Bei diesem Thema sind die üblichen Kategorien der Politik fehl am Platz. Denn, machen wir uns nichts vor, für die vielen Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, ist die Entscheidung des Parlaments eine bittere Nachricht.

Die Widerspruchslösung hätte ihre Chancen erhöht. Und gleichzeitig haben der gestrige Tag und die Diskussionen davor die Organspende gestärkt. Zum einen, weil auch die beschlossene Entscheidungslösung einige Dinge besser machen wird. Zum anderen, weil die Aufmerksamkeit stets auf dem wesentlichen Problem lag: Dem krassen Gegensatz zwischen spendebereiten Deutschen und tatsächlichen Organspendern.

Die mediale Präsenz wird sicher den einen oder anderen dazu gebracht haben, über seine eigene Entscheidung nachzudenken. Auch damit ist etwas gewonnen.

Vielleicht war der direkte Schritt vom Papierausweis zum geborenen Organspender auch einfach zu groß. Vergangene Skandale haben Unsicherheit hinterlassen. Das haben auch die Abgeordneten gespürt. Zu hoffen ist, dass sinnvolle Neuerungen wie das geplante Organspende-Register nun mehr Vertrauen schaffen.

Falls nicht, geht die Debatte in ein paar Jahren von vorne los.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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