Oktoberfest-Absage 2020 Die Zwangspause als Chance

Oktoberfest-Absage 2020. Die Zwangspause als Chance .

PETER T. SCHMIDT

Es war eine Absage mit Ansage. Niemand konnte ernsthaft glauben, Medizin, Politik und Gesellschaft würden Corona binnen weniger Monate so fest in den Griff bekommen, dass ein Oktoberfest, wie es die Welt kennt und liebt, auch nur vorstellbar wird. Gewiss: Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber Politik muss sich auf Gewissheiten gründen, und die machten die Absage unumgänglich. Eine Veranstaltung, die den mit Sicherheit auch im September noch notwendigen Hygienevorschriften genügt, hätte mit diesem Oktoberfest nichts gemein.

Interessant sind nun vor allem zwei Fragen: Wird die – hoffentlich dann wieder mögliche – Wiesn 2021 noch die alte sein, und ist das überhaupt erstrebenswert? Seit Jahren wächst die Kritik an einer maßlos überhitzten Wiesn, die mehr und mehr Ballermann-Züge annimmt und dementsprechend mit Exzessen aufwartet. Der Erfolg der Oidn Wiesn zeugt vom Wunsch, die so oft besungene Gemütlichkeit möge wieder einziehen in den Zelten. Eine Zäsur, so die eine Theorie, könnte dazu führen, dass die Wiesn sich diesem Wunschbild zumindest wieder ein bisserl annähert. Es wäre, wenn man so will, ein Trostpflaster für einen weltweiten Konjunktureinbruch.

Die Zwangspause könnte aber auch dazu führen, dass das größte Volksfest der Welt 2021 wegen eines weltweit aufgestauten Feierdurstes erst recht überrannt wird – mit allen bekannten negativen Folgen. Die Münchner, so sie denn weltoffen bleiben wollen, werden darauf nur bedingt Einfluss nehmen können. Dass die Wiesn ihr Fest sei, ist in Zeiten der Globalisierung schon lange Fiktion.

Peter.Schmidt@ovb.net

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