Özil-Kritik an China Allein auf der richtigen Seite

Özil-Kritik an China. Allein auf der richtigen Seite .

MARC BEYER

Der globale Profisport, der sich so oft an der eigenen Großartigkeit berauscht, kann sich erstaunlich klein machen. Zuletzt war das im Fall eines US-Basketball-Managers so und aktuell ist es bei Mesut Özil so. Beide wagten es, Kritik an China zu äußern, beim Thema Hongkong und nun wegen der Unterdrückung der Uiguren. Ihre Clubs konnten gar nicht schnell genug auf Distanz gehen.

Der strenge Geruch, der beiden Affären anhaftet, hat mit der Unverfrorenheit zu tun, mit der die Vereine ihre Prioritäten offenlegen. Moral und Menschenrechte (sowie -leben) werden in dem Moment zweitrangig, wo es um Millionen und noch mehr Millionen geht. Man bangt um Vermarktungsverträge und TV-Präsenz, im Fall des Özil-Clubs FC Arsenal sogar um den Erfolg einer Restaurantkette. Da wird das Schicksal Hunderttausender, die systematisch unterdrückt werden, schnell zur Banalität.

In Özils turbulenter Karriere ist es eine schräge Wendung, dass dieser stille, schmale Star nun der Weltmacht China die Stirn bietet. Özil hat in den letzten Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen. Bereitwillig hat er sich vor den Karren seines Präsidenten Erdogan spannen lassen und dabei eine miserable Figur abgegeben. Man würde sich wünschen, dass er sich auch für das Wohl der Kurden so offen ausgesprochen hätte wie nun für die Uiguren. Davon abgesehen steht er diesmal tatsächlich auf der richtigen Seite. Er steht dort leider ziemlich allein.

Marc.Beyer@ovb.net

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