Österreich umwirbt Urlauber Ein hohler Lockruf CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Österreich umwirbt Urlauber. Ein hohler Lockruf .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Jetzt an Urlaub zu denken, ist Träumerei, Trost – und ein Stück Vernunft. In dieser Krise sollten auch Konsumentscheidungen klug getroffen werden. Die Tourismusbranche leidet brutal. Den Hotels wird ein niedriger Mehrwertsteuersatz wenig helfen, er gilt ja seit 2010. Es wird auch nur bedingt Nachhol-Effekte geben nach der Krise, kaum eine Familie wird drei Sommerurlaube buchen. Also: Wohin reisen, wenn man wieder darf?

Hier gilt, wie immer: kein falscher Nationalismus mit Tellerrand-Horizont. Trotzdem zählt im Krisenjahr das Argument, Wertschöpfung im Land zu halten; in dem Land, das ja auch mit aberwitzigen Steuermilliarden (unser Geld) die Folgen der Pandemie zu lindern versucht. Die erzwungene Zeit daheim vergrößert das Fernweh, aber verkleinert die Ansprüche und für viele auch das Budget: Urlaub in Deutschland, in Bayern, ist im Sommer 2020 keine „Bürgerpflicht“, aber eine starke Option.

Die „Deal“-Lockrufe aus Österreich, Deutsche wieder über die Grenze zu lassen, klingen dabei hohl. Zur Erinnerung: Im Skizirkus Ischgl gärte einer der übelsten Infektionsherde Europas, weil örtliche Politik und Wirtschaft Gier über den Gesundheitsschutz stellten. Zehntausende Infektionen, wohl hunderte Todesfälle, haben hier ihren Ursprung. Weder ganz Österreich noch ganz Tirol, ein wunderbares Ziel mit einzigartigen Landschaften, stehen in Kollektivhaft. Aber der Vertrauensverlust ist dermaßen groß, dass Regierungen in Wien und Tirol bitte erstmal das Versagen sauber aufarbeiten sollen, ehe wieder ausländische Touristen umworben werden.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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