Ökopartei droht langer Abstieg Wie das Virus die Grünen infiziert

Ökopartei droht langer Abstieg. Wie das Virus die Grünen infiziert .

GEORG ANASTASIADIS

Mit derselben Unerbittlichkeit, mit der das Coronavirus das Leben der Deutschen auf den Kopf stellt, pflügt es auch die politische Landschaft um. Noch härter als die AfD trifft es die Grünen. Sie sind in wenigen Wochen in den Umfragen von 26 auf 15 Prozent gepurzelt – ein in der Republik beispielloser Absturz. Einen Kanzler Habeck wird das Land so schnell nicht erleben. Ideenlos und fahrig wirkt der Grünenchef. Die Rolle des Chefkritikers der Regierungspolitik, also des harten Herunterfahrens des Landes, hat er an den Liberalen Lindner abgeben müssen. Ohnmächtig müssen die Grünen mit ansehen, wie die besiegt geglaubte linke Volkspartei SPD wieder an ihr vorbei zieht.

Die Grünen waren ein Kind der postmateriellen Wohlfühlgesellschaft. Diese Zeit aber ist vorbei. Jetzt sind keine Weltverbesserer gefragt. Sondern kühle Krisenmanager. Virus-Angst und sehr konkrete Existenzsorgen verdrängen die eher abstrakte Klima-Bedrohung aus den Köpfen der Wähler. Trost spendet in dieser Lage nicht mal die ewig junge Politiker-Floskel, dass die mauen Umfragewerte ja nur eine Momentaufnahme seien. Denn das Virus und mit ihm die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen begleiten uns noch länger. Und wenn es besiegt ist, bleiben die Schuldenberge und die Verteilungsdebatten darüber, wer sie abzutragen hat. Vom aktuellen Streit darüber, wie viel „Lockdown“ nötig und wie viel Lockerung möglich ist, profitieren die Union und, als klassische Freiheitspartei, die FDP. Die folgende Kontroverse, wem welche (Reichen-)Steuern abzuverlangen sind, stärkt die alte Gerechtigkeitspartei SPD.

Den Grünen bleibt auf längere Zeit nur die Statistenrolle. Ihnen fehlt ja auch die Wirtschaftskompetenz, um bei der Frage, wie man die Unternehmen wieder flott kriegt, mitreden zu können. Gerade versucht sich Habeck mit dem Ruf nach Coronabonds neues Gehör zu verschaffen. Ein Kracher freilich wird auch das nicht. Die Deutschen lieben es, Moralweltmeister zu sein. Doch ihre Neigung, nach der Viruskrise außer den eigenen Schulden auch noch die der europäischen Nachbarn zu schultern, dürfte gering sein.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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