Meinung

Übersterblichkeit und das Coronavirus: Nur die halbe Wahrheit

-
+
-
  • vonMarc Beyer
    schließen

Übersterblichkeit ist ein hässliches Wort. Menschenleben auf Zahlen zu reduzieren, mutet zynisch an, ist manchmal, gerade in diesen Zeiten, aber leider unvermeidlich.

Nun hat das Statistische Bundesamt bekannt gegeben, dass die Zahl der Sterbefälle deutlich über der der vergangenen Jahre liegt und dass es einen klaren Zusammenhang zum Pandemiegeschehen und seinen unterschiedlichen Stadien gibt. Die Daten bestätigen, was ohnehin zu befürchten war, und widerlegen Corona-Skeptiker. Und doch sagen sie nur die halbe Wahrheit.

Tatsächlich wirkt das Virus sogar massiver, als es die Statistik ausweist. Der markante Anstieg – allein im Dezember 29 Prozent – wäre noch höher ausgefallen, wenn nicht in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens deutlich weniger Menschen gestorben wären. Lockdown und Reisebeschränkungen etwa wirken sich unmittelbar auf die Unfallstatistik aus. Gerade meldete Frankreich ein „historisches Tief“ bei Verkehrstoten. Auch die Grippe dürfte in diesem Winter aufgrund der Hygienemaßnahmen drastisch weniger Schaden anrichten.

Aktuelle Artikel zur Corona-Pandemie finden Sie auf unserer OVB-Themenseite.

Zahlen erfassen nicht annähernd all die Dramen dieser Pandemie. Es ist zu befürchten, dass das auch in den nächsten Monaten so bleiben wird, selbst wenn Impfungen endlich eine breite Wirkung entfalten. Wenn all die Operationen, die in den letzten Monaten verschoben wurden, Menschenleben kosten, wird das nur auf den ersten Blick nichts mit Corona zu tun haben.

Marc.Beyer@ovb.net

Mehr zum Thema

Kommentare