Nüchterne Entscheidung

Der Ballermann schließt. MARC BEYER.

Als Mallorcas Tourismus-Dezernent gestern Mittag in Berlin von Einzelfällen sprach, die seiner Insel am Wochenende so unschöne Schlagzeilen bescherten, und die stabilen Corona-Zahlen hervorhob, klang das im ersten Moment beunruhigend harmlos. Der Eindruck, hier solle ein Exzess kleingeredet werden, täuschte aber. Die Reaktion der mallorquinischen Behörden ließ wenig später an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Nüchtern betrachtet ist die Entscheidung, die Partymeile am Ballermann zu schließen, in diesen Zeiten eine Selbstverständlichkeit. Aber nüchtern kann man an diesem Ort selten etwas beurteilen. Die Gegend mag nicht die schönste sein, aber weil sie lukrativ ist, sind in der Vergangenheit etliche Auswüchse toleriert worden. Heute wirkt das wie eine längst vergangene Zeit. Die Welt ist eine andere als vor einem halben Jahr, auch die Welt des Tourismus. Jeder Ferientag ist nun ein Spagat zwischen dem, worauf man sich ein Jahr lang gefreut hat, und dem, was der Allgemeinheit noch zumutbar ist.

Spanien steht unter dem Eindruck der vergangenen Monate, als an Urlaub kaum zu denken war. Auf Mallorca ist man froh, überhaupt wieder Gäste zu haben, deshalb möchte man sie nicht bei erster Gelegenheit wieder riskieren. So geht es jetzt vielen Orten. Nach allem, was passiert ist, wird man im nächsten Winter vermutlich sogar in Ischgl größere Vorsicht walten lassen.

Marc.Beyer@ovb.net

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