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EU will Arzneiversorgung sichern: Notprogramm für globale Krisen

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  • vonMartin Prem
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Mit der Globalisierung wurde eine volkswirtschaftliche Binsenweisheit auf die ganze Welt übertragen: Wenn jeder das tut, was er aufgrund der – beispielsweise geografischen – Gegebenheiten besser kann als andere, ist allen am besten gedient, erkannte bereits Adam Smith. Ein Wein kommt besser aus Spanien als aus Nordnorwegen, beim Dorsch wird es umgekehrt sein.

Nun haben wir weltweite Lieferketten, wodurch es durchaus Verlierer gab. Nicht nur die Bergleute und Stahlarbeiter aus den USA, die scharenweise Donald Trump zugelaufen sind. Die Volkswirtschaften als Ganze aber hatten gewonnen – bis Corona kam. Die Pandemie hat die globalen Lieferketten in zweierlei Hinsicht schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ganze Regionen wurden heruntergefahren und konnten nicht mehr liefern. Und Länder behielten verständlicherweise für sich, was anderen versprochen war, aber im eigenen Land fehlte.

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Die globale Vernetzung bleibt insgesamt ein Gewinn. Doch sie kann gar nicht so gestaltet werden, dass sie auch während internationaler Krisen oder einer todbringenden Pandemie funktionieren wird. Wenn die EU bei der Medikamentenversorgung unabhängiger werden will, ist das ein richtiger Schritt, aber zu kurz gesprungen. Wir brauchen ein Notprogramm, das eine unabhängige ökonomische Grundversorgung in Europa auch dann sicherstellt, wenn der Rest der Welt aus den Fugen geht.

Martin.Prem@ovb.net

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