Auf wen wir noch hören sollten

Der Virologen-Streit. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Für manchen fühlt es sich beklemmend an, wie sehr der Rat der Virologen unseren Alltag eingeschränkt hat. Da baut sich was auf an Murren über „diese Experten“, die niemand gewählt hat, die so gern unwidersprochen im Fernsehen auftreten und doch jede Woche ihre Empfehlung ändern. Auch der neue, teils ruppige Streit unter Christian Drosten, seinen Kollegen und manchen Medien irritiert. Doch keine Sorge: Unser Land ist Demokratie, nicht Drostokratur. Experten geben Rat, aber entscheiden und verantworten müssen das gewählte Regierungen und die einzelnen Bürger. Und das erfolgreich: Der vorsichtige Kurs und die Vernunft der meisten haben in Phase eins eine medizinische Katastrophe abgewendet.

Die Basis dafür war der frühe und zum Glück laute Rat der Virologen. Dass das allein nicht die ultimative Wahrheit ist, war ja bald klar. Noch immer fehlt Wissen zu Covid-19. Noch immer klaffen große Lücken (wie stark sind Kinder gefährdet?), mehrfach wurden Schlussfolgerungen (Alltagsmasken) korrigiert. Bei einem neuartigen Virus und weltweiter Forschung, live und unter Hochdruck, ist das eben so. Erkenntnisgewinn ist keine Schwäche der Wissenschaft, sondern genau ihr Ziel.

Man sollte ruhig weiter auf kluge Virologen hören. Das Gewicht der Experten wird sich aber verschieben. Seit dem ersten Herunterfahren achten wir stärker auf die riesigen wirtschaftlichen, sozialen und medizinischen Folgeschäden. Erfolgreiche Politik braucht also nicht weniger, sondern eher mehr und breiteren Expertenrat.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Kommentare