Nicht wieder in den Abwärtsstrudel

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Vor dem FDP-Parteitag. MIKE SCHIER.

Am Wochenende sind wieder alle Augen auf die kleine FDP gerichtet. Das Land rätselt, warum eine Partei, die für persönliche Freiheit und wirtschaftliche Kompetenz steht, in der Corona-Krise mit all ihren Freiheits- und Wirtschaftsdebatten so gar nicht profitieren kann. Man wird wieder über Christian Lindner sprechen, der erst die quasi tote Partei wiederbelebte, dann aber Fehler beging, die man ihm noch im Altenheim vorwerfen wird. Das Nein zu Jamaika natürlich oder sein unglücklicher Umgang mit dem Klimaprotest („eine Sache für Profis“).

Klar, das sind alles alte Geschichten, die die FDP aber nur abschütteln wird, wenn sie wieder mit sich selbst ins Reine kommt. Die Personalie des unglückseligen Kurzzeit-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich schwelt bis heute ungelöst weiter – und im Hintergrund ein Ost-West-Konflikt, wie viel Zusammenarbeit mit der AfD wirklich tragbar ist. Die Partei wird auch nicht umhin kommen, sich personell breiter aufzustellen und mehr Frauen ins Rampenlicht zu rücken – all diese Punkte wird Lindner nicht einfach aussitzen können.

Doch wahr ist auch: Keine Partei war in den vergangenen Jahren so starken Trendbewegungen ausgesetzt wie die Liberalen. Der Absturz der Generation Brüderle/Rösler war brutal, die Rückkehr auf 10,7 Prozent bei der Bundestagswahl 2017 euphorisch – beides rational nicht hundertprozentig zu erklären. 2021 muss die Partei aufpassen, nicht wieder in eine solche Wellenbewegung zu geraten. Dabei hilft vor allem nüchterne Sacharbeit – und der klare Wille zum Regieren. Wenn die Wähler im kommenden Jahr vor der Wahl zwischen Schwarz-Grün und Linksbündnis stehen, sollten sich doch genügend finden, die ihr Kreuz lieber bei den Liberalen machen.

Mike.Schier@ovb.net

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