Meinung

Sprachliche Gleichstellung in Gesetzestexten: Nicht mehr als ein Feigenblatt

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Wie nett. Da soll nun in Gesetzestexten auf die männliche Form verzichtet, stattdessen das generische Femininum genutzt werden. Also etwa nur noch von Antragstellerinnen die Rede sein. Das Ziel: die Gleichstellung „sprachlich zum Ausdruck“ bringen. Ernsthaft?

„Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen“, heißt es. Völlig richtig. Das bedeutet aber nicht, dass Gleichberechtigung in der Sprache auch zu Gleichberechtigung in der Gesellschaft führt. Da kann der Chef noch so hübsch in einer Ansprache an die Belegschaft von „Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ sprechen.

Wenn er den Damen und Herren dann aber das heute in vielen Berufen mögliche und familienfreundliche Arbeiten von daheim nur aus Prinzip verwehrt, den Antrag auf Elternzeit mit Murren gewährt, Karrierewege für Frauen versperrt, weil sie – wie unverschämt! – schwanger werden könnten, kann er sich die politische Sprachkorrektheit gleich sparen. Wobei: nicht nur er. Selbst viele Chefinnen machen es anderen Frauen nicht immer leicht.

Ein Vorschlag zur Güte: Bewahre man das generische Maskulinum in Gesetzestexten – und gebe dafür Frauen im Alltag den Respekt, die Gehälter und die beruflichen Chancen, die sie verdienen. Wie jeder Mensch. Ganz ohne -in. Denn alle Menschen haben die gleichen Rechte, so steht es im Grundgesetz. Als Frau hatte man bisher immer gedacht, damit auch gemeint zu sein.

Katja.Kraft@ovb.net

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