Neuwahlen in Spanien Vom Wert eines Feindbilds MARCUS MÄCKLER

Neuwahlen in Spanien. Vom Wert eines Feindbilds .

MARCUS MÄCKLER

Nicht mal ein Jahr hat sich Spaniens sozialistische Regierung an der Macht halten können und vielleicht wäre Pedro Sánchez’ Amtszeit noch kürzer gewesen, wenn sich das Land nicht erst mal von den Chaosmonaten unter dem konservativen Mariano Rajoy hätte erholen müssen. So oder so: Nach der Niederlage bei der wichtigen Haushaltsabstimmung sind Neuwahlen unvermeidbar. Überhaupt zeigt sich nun, wie wagemutig Sánchez‘ Versuch war, ein Land wie Spanien mit einer Regierung führen zu wollen, die gerade 84 von 350 Parlamentssitzen innehat.

Ausgerechnet das Nein der katalanischen Unabhängigkeitsparteien zum Haushalt kostet ihn das Amt – offenbar, weil er ihre Selbstbestimmungs-Träume nicht mittragen wollte. Dabei war es Sánchez, der den völlig festgefahrenen Dialog zwischen Madrid und Barcelona erst wiederbelebt hat. Die Katalanen müssen sich nun fragen, ob das, was kommt, besser für sie ist. Laut Umfragen könnte es für ein konservatives Comeback mit Duldung (oder Beteiligung) der rechtsradikalen Vox-Partei reichen – und mit denen wird über Autonomie nicht zu reden sein. Aber vielleicht spekulieren einige katalanische Hardliner genau darauf. Das Feindbild Rajoy ging ihnen spürbar ab, nun könnte ein neues entstehen. Durchaus denkbar, dass nach 2017 ein neuer „heißer Herbst“ bevorsteht.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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