Die Neuverteilung des Asphalts

Der Pendler-Stau ist zurück. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

München steigt um, und das ist nur teilweise gut. Seit Beginn der Pandemie wechseln zahlreiche Pendler aufs Fahrrad, aber Zehntausende meiden Bus und Bahn, indem sie sich lieber in den Stau stellen. Die Verkehrspolitik ist damit noch emotionaler und noch komplizierter geworden – aber reizvoll, weil sie sich gerade so grundlegend verändert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Nur mit ihren alten Reflexen kann die Politik da nicht mithalten. Im Osten der Stadt quält die grün-rote Rathaus-Koalition die Pendler mit längeren Rotphasen, als wär’ alles prima, wenn Autos möglichst lang im künstlichen Stau qualmen – welch verzweifelte Ideologie. Aber auch die Auto-Kampagnen der Stadt-CSU passen nicht mehr in die Zeit. Mehrheitsfähig konservativ zu sein in Metropolen ist anspruchsvoller, zukunftsgewandter.

Die Lösung wird nicht in Verboten, Protesten, Ampeln liegen – sondern im klugen Neu-Verteilen des knappen Raumes. Autos müssen nicht bekämpft werden, auch große nicht, aber Parkraum muss im weiteren Stadtkern unter die Erde gebaut und stärker eigenfinanziert werden. Natürlich braucht’s intelligentere Verkehrsleitung, mehr Radspuren, noch dichteren ÖPNV. Gerade jetzt suchen sich viele Pendler neue Wege, die Politik kann klug steuernd eingreifen. Manchmal passiert das bereits. Je pragmatischer und unideologischer, desto besser wird’s.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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