Neues Brexit-Abkommen Drohungen allein reichen nicht

Neues Brexit-Abkommen. Drohungen allein reichen nicht .

MIKE SCHIER

Manchmal sagt Angela Merkel in ihrer nüchternen Art großartige Sätze mit sehr schwarzem Humor. „Ich gehe davon aus, dass dort gearbeitet wird“, erklärte die Kanzlerin gestern mit Blick nach London. Sie meinte vor allem Boris Johnson, der innenpolitisch mit seinem radikalen Vorgehen gegenüber dem Parlament gerade so viel verbrannte Erde hinterlässt, dass man sich fragt, wie er sein Vereinigtes Königreich beisammen halten will.

Ja, Johnson sollte arbeiten. Und zwar nicht an seinem Ruf, wie ein Rugbyspieler in leicht gebeugter Haltung ohne Rücksicht auf Verluste voranzustürmen. Gegenüber den Europäern hat der Premier in seiner kurzen Amtszeit nur Drohkulissen aufgebaut – so als treffe ein Brexit ohne Abkommen allein die EU-Wirtschaft. Der Premier baut darauf, dass in Frankreich oder Deutschland Volkswirte oder Unternehmensführer ihre Regierungen zu neuen Verhandlungen drängen, um das Schlimmste abzuwenden. Je größer der Druck, desto besser für die Maximalforderungen des britischen Hardliners. Es ist die Bonsai-Ausgabe der Strategie von Donald Trump.

Eines ist Johnson dabei komplett schuldig geblieben: ein ernsthaftes Angebot, wie ein neues Abkommen mit der EU aussehen könnte. Weder Trump noch Johnson verstehen, dass die EU mehr ist als ein rein wirtschaftliches Bündnis. Den meisten Staatschefs geht es in der Brexit-Frage deshalb auch ums Prinzip: Sie wollen sich nicht erpressen lassen – London muss endlich auch etwas bieten.

Mike.Schier@ovb.net

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