Kommentar

Debatte um Sonntagsöffnungen: Neue Zeiten, alte Argumente

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MIKE SCHIER

Der Streit um die Sonntagsöffnung im Weihnachtsgeschäft ist ein altes Ritual. In seltener Einigkeit lassen Konservative und Sozialdemokraten unter dem Beifall von Gewerkschaften und Kirchen alle Vorstöße für mehr Lockerungen ins Leere laufen.

Ihnen geht es um den Schutz von Arbeitnehmern, Zeit für Familie und Freizeit sowie – gerade in der Adventszeit – ein paar Freiräume im Alltagsstress, um zur Ruhe zu kommen.

Das sind alles gute Gründe. Und doch irritiert, dass die Debatte im Corona-Jahr 2020 mit den exakt gleichen Argumenten geführt wird wie in den Jahren davor. Seit Beginn der Pandemie leidet der stationäre Handel unter massivsten Einnahmeausfällen, während die Amazon-Aktie durch die Decke ging. Künftig müssen in vielen Innenstädten auch im Freien Masken getragen werden – erste Erfahrungen aus München zeigen, dass dies viele weitere Kunden von Shoppingtouren abschrecken wird.

Verödete Innenstädte

Schon vor Corona steckte der Einzelhandel in Schwierigkeiten. Jetzt aber geht es oft ums nackte Überleben. Deshalb müsste es eigentlich im Sinne der Arbeitnehmer sein, zeitlich beschränkt auf Krisenzeiten alle Mittel auszuschöpfen – auch wenn niemand gerne am Sonntag arbeitet. Politiker, die nun Sonderöffnungen in alter Tradition ablehnen, dürfen sich später jedenfalls nicht über Insolvenzen und verödete Innenstädte beklagen.

Mike.Schier@ovb.net

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