Die neue AfD-Spitze Der „Flügel“ ist gestärkt

Die neue AfD-Spitze. Der „Flügel“ ist gestärkt .

MARCUS MÄCKLER

Mitte des Jahres war die AfD dem Chaos nahe: „Flügel“-Frontmann Björn Höcke kündigte an, sich den Bundesvorstand vorzuknöpfen, AfD-Chef Jörg Meuthen keilte zurück. Alles deutete auf eine Häutung wie 2015 und 2017 hin, mit guten Karten für die Völkisch-Nationalen. Doch beim Parteitag am Wochenende blieb der Aufstand aus. Stattdessen wollen nun selbst Radikale regierungsfähig werden. Zur Erinnerung: Für so eine Forderung wurde Ex-AfD-Chefin Frauke Petry einst fast gesteinigt.

Die zur Schau gestellte Harmonie darf nicht täuschen: Der laut Verfassungsschutz „immer extremistischere Flügel“ bleibt das große Problem der AfD und hat seine Macht in der Partei jetzt auch noch ausgebaut. Der neue Co-Chef Tino Chrupalla, ein Sachse mit Hang zur Journalisten-Verachtung, muss erst noch beweisen, dass er keine Höcke-Marionette ist. Auf den Vize-Posten sitzen nun drei vom „Flügel“ mindestens unterstützte AfDler. Einer von ihnen ist ausgerechnet Stephan Brandner, der wegen seiner – vorsichtig formuliert – niveaulosen Entgleisungen als Vorsitzender des Rechtsausschusses im Bundestag abgewählt wurde. Bei der Wahl ihres Spitzenpersonals ist die AfD offenbar völlig schmerzfrei.

Klar ist: Ohne den „Flügel“ geht nichts mehr. Für die Zukunft bedeutet das mindestens die Weiterführung des destruktiven Anti-Establishment-Kurses. Wie es da mit der Regierungsfähigkeit klappen soll, ist ein Rätsel. Das bürgerliche Kleidchen, in das sich selbst ein Scharfmacher wie Gottfried Curio hineinzwängen wollte, sitzt jedenfalls auch nach dem Parteitag vorne und hinten nicht.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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