Netanjahu sollte Alarmruf ernst nehmen

Abbas kündigt Verträge. KLAUS RIMPEL.

Es ist eine Art Selbstentmachtung: Wenn Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nun alle Verträge mit Israel und den USA aufkündigt, bedeutet das faktisch auch das Aus seiner Autonomiebehörde. Deshalb meinen etliche Beobachter, dass Abbas einmal mehr nur laut brüllt – aber dann doch den Schwanz einziehen wird, weil er und seine Mitstreiter sonst von den Fleischtöpfen der EU-Hilfsgelder und Privilegien abgehängt würden.

Doch es ist ein Irrglaube zu erwarten, dass trotz der einseitigen Parteinahme der US-Regierung und trotz der Annexions-Pläne Netanjahus alles einfach so weiterlaufen wird. Die Hoffnungslosigkeit und Frustration der palästinensischen Bevölkerung ist inzwischen so groß, dass Abbas ein Zeichen setzen musste, wenn er nicht jede Glaubwürdigkeit im eigenen Lager verspielen will.

Die israelische Regierung sollte deshalb Abbas Schritt nicht einfach kalt lächelnd übergehen, sondern ihn als Alarmruf ernst nehmen. Im eigenen Interesse: Denn wenn Abbas die bislang funktionierende Sicherheitszusammenarbeit aufkündigt, drohen neue Anschläge und gewaltsame Proteste. Die fast fünf Millionen Menschen in Gaza und im Westjordanland brauchen endlich eine Perspektive! So naiv das für einen Trump oder Netanjahu auch klingen mag: Eine friedliche Zukunft für Israel kann es neben einem zum Elends-Lager verkommenden Gaza und Westjordanland nicht geben.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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