Naturschutz im Selfie-Zeitalter

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50 Jahre Nationalpark. DOMINIK GÖTTLER.

Viel hätte nicht gefehlt, dass dort, wo heute Luchs und Auerhahn im Bayerischen Wald hausen, die Schneekanonen angeworfen worden wären. Es ist dem hartnäckigen Einsatz der Naturschützer Hubert Weinzierl und Bernhard Grzimek sowie den CSU-Politikern Alfons Goppel und Hans Eisenmann zu verdanken, dass heute an Rachel und Lusen Deutschlands erster Nationalpark seinen 50. Geburtstag feiern darf – und nicht ein immer schneeloserer Skizirkus tobt.

50 Jahre nach der Gründung zeigt sich: Es war mutig und richtig, einen Platz zu schaffen, an dem die Natur sich selbst überlassen wird. Weil dort bedrohte Arten vom Luchs bis zum Schwammerl wieder eine Heimat finden. Und weil der Nationalpark genau wie sein Pendant in den Berchtesgadener Alpen zum Besuchermagneten avanciert ist – und jährlich 1,4 Millionen Besuchern das Gefühl vom Eintauchen in die Wildnis vermittelt.

Den jahrzehntelangen Kampf um die Akzeptanz in der Bevölkerung hat die Nationalparkverwaltung gewonnen – nach rauen Debatten ist die große Mehrheit der Einheimischen mittlerweile stolz auf ihren wilden Wald. Die neue Herausforderung ist der Umgang mit der gewonnenen Popularität. Sowohl in Berchtesgaden wie im Bayerischen Wald häufen sich Müllberge am Wegesrand und Fälle von achtlosem Party- und Selfietourismus. Eine andere Form von Zirkus, die aber nicht weniger schädlich ist für die so mühsam wiederbelebte, wilde Natur.

Dominik.Goettler@ovb.net

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