Nato-Treffen Gipfel der Hirntoten?

Nato-Treffen. Gipfel der Hirntoten? MARCUS MÄCKLER.

Zum Geburtstag findet man in der Regel nette Worte füreinander – „hirntot“ ist da eher ungewöhnlich. Wenn die Nato-Staaten ab heute in London das 70-jährige Bestehen des Bündnisses feiern, wird Emmanuel Macrons Diagnose allgegenwärtig sein. Für seine Wortwahl, die selbst Donald Trumps verbale Rumpelei von der „obsoleten Nato“ in den Schatten stellt, ist der Franzose zu Recht hart kritisiert worden; auch von Kanzlerin Merkel, die es „leid“ ist, ständig Macrons „Scherben aufzukehren“.

Aber Macron ist nicht der neue Trump. Ihm geht es nicht in erster Linie um das Zwei-Prozent-Ziel, sondern um die großen strategischen Linien. Tatsächlich sind die Leerstellen eklatant. Was ist eigentlich die Antwort der Nato auf das Ende des INF-Vertrags mit Russland, der den Bau atomarer Mittelstreckenraketen untersagte? Wie positioniert sie sich gegenüber China, das seinen globalen Machtanspruch immer offener zeigt? Wie ist mit einem Mitglied wie der Türkei umzugehen, das in Syrien eigene Sache macht? Das sind komplexe Fragen, die sich nicht aussitzen lassen. Macrons jüngste Charme-Offensive gegenüber Russland, die ein wenig nach Anbiederung roch, ist dabei genauso falsch wie die pure Konfrontation.

Das Treffen in London böte Gelegenheit, über die künftige Rolle der Nato nachzudenken. Ginge es nur um nostalgische Nachlese, wäre es wirklich ein Gipfel der Hirntoten.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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