Meinung

Macron träumt von Eigenständigkeit Europas in Sicherheits- und Verteidigungsfragen, AKK ist realistisch

Alexander Weber
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Alexander Weber

Im Streit um Europas Sicherheit zwischen Manuel Macron und der deutschen Verteidigungsministerin hat AKK die realistische Position.

Hoppla, da brechen in Paris aber alte Wunden wieder auf: Es sei eine „Fehlinterpretation der Geschichte“, giftet Frankreichs Präsident öffentlich gegen die deutsche Verteidigungsministerin, nur weil diese nüchtern feststellte, dass eine strategische Unabhängigkeit Europas eine „Illusion“ sei.

Schon de Gaulle war wenig begeistert, als die Deutschen im Élysée-Vertrags nicht nur die Freundschaft zu Frankreich, sondern eben auch ein enges Verhältnis zu Amerika festschrieben. Macron nutzt die aktuelle Trump-Baisse in Europa, um der ungeliebten, angeblich „hirntoten“ Nato einen weiteren Schlag zu versetzen.

Visionen sind gut, aber wenn sie jeder realistischen Basis entbehren, sind sie gefährlich. Von der Eigenständigkeit Europas in Sicherheits- und Verteidigungsfragen, von der Macron träumt, sind wir Welten entfernt. Annegret Kramp-Karrenbauer verweist zu Recht darauf, dass aktuell rund 75 Prozent aller Fähigkeiten in der Nato von den USA gestellt werden.

Dass sich Europa mausern muss, weil die Lastenverteilung im westlichen Bündnis unfair ist, gilt mittlerweile als Konsens. Doch man muss die Kirche im Dorf lassen: Die Konflikte in Syrien und anderswo haben die Ohnmacht Europas ohne USA mehr als offengelegt. Die neue strukturierte Zusammenarbeit (Pesco) ist ein wichtiger erster Schritt Europas zum Erwachsenwerden, mehr nicht. Aber auch jenseits des Militärischen liegt es im globalen Selbstbehauptungsinteresse Europas, die USA als Partner an der Seite zu haben.

Schreiben Sie dem Autor: Alexander.Weber@ovb.net

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