Nato orientiert sich neu Herausforderung China ALEXANDER WEBER

Nato orientiert sich neu. Herausforderung China .

ALEXANDER WEBER

Runde Jubiläen, wie der 70. Geburtstag der Nato, verführen die versammelte Festgemeinschaft häufig zu einem Übermaß an goldgeränderten Bilanzen, nostalgischer Verklärung und hemmungslosem Eigenlob. Beim Londoner Treffen des Nordatlantischen Verteidigungspakts dominierten jedoch keine Jubelarien, sondern undiplomatisch offene Töne in hartem Dur, gar Missklänge in übertriebenem Moll. Dass der französische Präsident beim Geburtstagskind Nato zum Wiegenfest den Hirntod diagnostiziert, gehört beispielsweise zu letzterem.

Dennoch ist es richtig, dass sich das Bündnis in einer Art schonungsloser Inventur mit einer Aktualisierung seiner Agenda beschäftigt. US-Präsident Trump hat zu Recht – und mittlerweile erfolgreich – bereits die unfaire Lastenverteilung innerhalb der Nato gegeißelt. Erstmals rückt der Westen nun aber die Rolle Chinas ins Zentrum seiner strategischen Überlegungen. Das war längst überfällig. Denn der rote Mandarin Xi arbeitet seine Agenda für den Aufstieg Chinas zur dominierenden Weltmacht mit einer Härte und Konsequenz ab, die erschaudern lässt. Siehe die unverhohlene Drohung gegenüber Taiwan, eine Wiedervereinigung notfalls mit militärischen Mitteln zu erzwingen, die Erpressung der pazifischen Nachbarstaaten im Falle von Peking missliebigen Handelspakten oder die rücksichtslosen Gebietserweiterungen auf Mini-Inseln, um die Freiheit der Seewege im pazifischen Raum zu beschneiden. Und nicht zuletzt die strategisch-wirtschaftliche Expansion Chinas von der Seidenstraße bis zu Infrastrukturmaßen mit Stützpunktcharakter in Südosteuropa, Afrika und Lateinamerika. Diese Globalstrategie der Kommunisten bedarf einer adäquaten Antwort des Westens. Auch einer sicherheitspolitischen.

Alexander.Weber@ovb.net

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