Die SPD nach der Urwahl So zerstritten wie am Anfang

Die SPD nach der Urwahl. So zerstritten wie am Anfang .

MIKE SCHIER

Als die SPD-Spitze im Sommer entschied, sich mit der Suche eines Nachfolgers für die vom Hof gejagte Andrea Nahles ganz, ganz viel Zeit zu lassen, war die Intention eindeutig: Man wollte die Partei beruhigen, die Strömungen wieder zusammenführen und vor allem nicht allzu schnell über die Zukunft der GroKo entscheiden. Ein halbes Jahr lang hat das funktioniert. Jetzt steht die Partei wieder am Ausgangspunkt: Die regierungsmüde Basis hat just für jenen Kurswechsel votiert, den die allermeisten regierenden Genossen in Berlin nicht wollen. Dass viele von ihnen vom Ausgang überrascht wurden, beweist, wie weit sie sich von der Basis entfernt haben.

Auch wenn sich nun die neue Spitze um Geschlossenheit bemüht und der konservative Flügel versucht, das Ergebnis zu negieren – dieses Ergebnis ist ein Beben für die Partei. Man fragt sich, wie Olaf Scholz auf mittlere Sicht die SPD als Vizekanzler und Finanzminister repräsentieren soll. Mehr noch: Wie lange sollen überhaupt noch SPD-Minister am Kabinettstisch Platz nehmen, wenn die eigenen Mitglieder das ganz offensichtlich mehrheitlich ablehnen? Und: Welches Selbstbild hat eine Volkspartei, die mit Norbert Walter-Borjans einen Vorsitzenden wählt, der keinen Kanzlerkandidaten mehr stellen will.

Die Selbstfindung der SPD geht in die nächste Runde. Sie verdeckt, dass ihre Regierungsbilanz nicht so schlecht ist, wie viele in der Partei meinen. Doch irgendwann hat Deutschland einfach genug vom ewigen Lamento: Wenn die SPD nicht mehr mag, dann regieren eben andere.

Mike.Schier@ovb.net

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