Nach dem Schlagabtausch USA/Iran Das Fenster der Gelegenheit ist offen

Nach dem Schlagabtausch USA/Iran. Das Fenster der Gelegenheit ist offen .

ALEXANDER WEBER

Hat die Diplomatie im Eskalationsdrama des Mittleren Ostens noch eine Chance oder ist der „Point of no Return“ in Richtung eines neuen Krieges in der Golfregion bereits überschritten? Auch wenn der „Unfall“ der ukrainischen Boeing in Teheran mit 176 Toten, darunter 82 Iranern, noch Rätsel aufgibt (kann man da an Zufall glauben?): Der iranische Racheakt gegen US-Militärbasen im Irak könnte das Fenster der Gelegenheit für Verhandlungen geöffnet haben. In der merkwürdigen Logik politisch-militärischer Taktik erfüllt der Raketenangriff nämlich zwei wichtige Bedingungen. Propagandistisch kann die Führung in Teheran den Angriff der eigenen Bevölkerung gegenüber als erfolgreichen „Schlag ins Gesicht“ der Amerikaner ausschlachten. Gleichzeitig starb jedoch kein US-Soldat oder westlicher Verbündeter, was Präsident Donald Trump zu dem überraschenden Tweet „Alles ist gut!“ und zu einem Verhandlungsangebot über ein neues Atomabkommen mit Iran inspiriert hat. Das Fenster der Gelegenheit, die Spirale der Gewalt anzuhalten, ist offen.

Das Problem: Der Westen, vor allem aber die US-Führung, muss endlich zu einer langfristigen Strategie zurückfinden, die nicht nur kurzfristig einen heißen Krieg im Nahen Osten verhindert, sondern auch dem Griff der Mullahs nach der Vorherrschaft samt Existenzbedrohung Israels Grenzen setzt. Das geht nur, wenn man den verhängnisvollen Weg verlässt, der mit George W. Bushs unseligem Krieg gegen Saddam Hussein begann. Politik muss wieder vom Ende her gedacht werden. Das Atomabkommen mit Teheran war das letzte, das die transatlantischen Partner im Nahen Osten zustande brachten. Ein geeinter Westen könnte die jetzige Chance auf ein noch besseres Atomabkommen mit Iran nutzen.

Alexander.Weber@ovb.net

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