Ruf nach längerer AKW-Laufzeit Stabile Mehrheit gegen alles

Ruf nach längerer AKW-Laufzeit. Stabile Mehrheit gegen alles.

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Wahre Wunder gibt’s an Weihnachten. In der Politik kennt man höchstens ein blaues Wunder. So etwas nähert sich gerade in der Energiepolitik. Da dämmert den Ersten zumindest in der Union, dass ein gleichzeitiger Ausstieg aus der Kernenergie und aus der Kohlekraft, strenge Abstandsregeln für Windräder, der Verzicht auf Stromtrassen, ein wachsender Energiebedarf für Elektromobilität und der Erhalt des Industriestandorts nicht zusammenpassen. Jedes einzelne Ziel ist erstrebenswert, wer sich populistisch und undifferenziert allen Zielen verschreibt, wird aber am Ende Kohle- und Atomstrom aus Tschechien und Frankreich importieren oder sich von Putins Gas abhängig machen.

Kein Wunder also, dass alle paar Monate jemand mit dem Vorschlag längerer AKW-Laufzeiten ums Eck kommt. Das ist an sich nicht verwerflich, eigentlich wäre es sogar bedenkenswert. Es ist nur nicht realistisch, weil auf absehbare Zeit kein gesellschaftlicher Konsens dafür in Sicht ist. Die deutsche Energiepolitik hat die Bürger daran gewöhnt, dass sie sich mit epochalen Entscheidungen an der Stimmungslage der Wähler orientiert. Mehrheiten für Ausstiege aller Art sind damit jederzeit drin, für Einstiege aber nicht. Auf lange Sicht wird, und das ist gut, erneuerbare Energie den Bedarf besser decken. In den ein, zwei Jahrzehnten dazwischen ist die deutsche Energiepolitik allerdings schlicht verlogen – und riskiert schwere Schäden für den Standort.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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