Nach dem Klimagipfel Die EU muss vorangehen MIKE SCHIER

Nach dem Klimagipfel. Die EU muss vorangehen .

MIKE SCHIER

Nein, überraschen kann dieses Ergebnis des Klimagipfels nicht. In der aufgeregten und von Aktivisten geprägten deutschen Debatte, die ja auch erst seit etwa einem Jahr so intensiv geführt wird, vergessen viele, dass sich andere Länder dem Thema zurückhaltender nähern. Da muss man nicht mal anklagend auf Donald Trump oder den Brasilianer Jair Bolsonaro deuten. Auch in Großbritannien spielte das Klima im Wahlkampf kaum eine Rolle. Eine einzige Grüne schaffte es ins neue Parlament.

Insofern darf das dürftige Ergebnis in Madrid niemanden verwundern. Nicht einmal die eilig herbeigesegelte Greta konnte dem „Gipfel der Ambition“ neues Leben einhauchen. Doch wenn man ehrlich ist, steht er nur in einer Linie mit anderen Klimakonferenzen. Auf mutige Zusagen wie einst in Kyoto folgte oft eine zögerliche Umsetzung. Zu den Blockierern gehören auch diesmal Großverschmutzer wie China, Indien und Saudi-Arabien.

Bei aller berechtigten Enttäuschung sollte Madrid den Blick auf die deutsche und europäische Klimapolitik schärfen. Die Kritik am Klimapaket der Bundesregierung wirkt plötzlich übertrieben. Der „Green Deal“, den Ursula von der Leyen anstrebt, mutiert zum weltweiten Vorbild. Europa, das wird nun deutlich, muss vorangehen. Aber nicht mit Verboten und hysterischen Debatten. Die grüne Revolution findet nur breite Unterstützung, wenn sie sich aus technologischer Innovation und einem klugen Umbau von Industrie, Verkehrsmitteln und Heizmethoden speist. Wenn Klimaschutz bald Hightech bedeutet, wird die Welt mitmachen. Ganz ohne Gipfel.

Mike.Schier@ovb.net

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