AfD nach Hanau Gespielte Einsicht MARCUS MÄCKLER Regt sich in der Partei der scharfen, teils menschenverachtenden Rhetorik etwa Einsicht?

AfD nach Hanau. Gespielte Einsicht .

MARCUS MÄCKLER

Regt sich in der Partei der scharfen, teils menschenverachtenden Rhetorik etwa Einsicht?Neuerdings fordert AfD-Fraktionschef Alexander Gauland ein verbales Abrüsten auf allen Seiten. Die beiden Parteichefs Jörg Meuthen und Tino Chrupalla halten die Mitglieder nach dem rassistischen Attentat von Hanau gar zur Selbstreflexion an – als fragten sie sich endlich, ob die AfD nicht doch eine Mitschuld an solchen Verbrechen trägt. Nichts hätte die weit nach rechts abgedriftete Partei nötiger, als sich einer gründlichen Eigenprüfung zu unterziehen. Aber den ehrlichen Willen dazu darf man wohl bezweifeln.

Es waren Gauland und Meuthen, die tagelang behaupteten, bei dem Täter von Hanau handele es sich um einen verwirrten Irren ohne politisches Motiv. Der wundersame Sinneswandel (Meuthen schreibt in einem offenen Brief nun von einem „rassistischen Verbrechen“) dürfte eher ein kalkuliertes Notbrems-Manöver sein. In Umfragen ist die AfD nach Hanau bundesweit geschrumpft (laut Forsa auf zehn Prozent). In Hamburg rettete sich die Partei mit Verlusten nur knapp wieder in die Bürgerschaft. Mag sie auch noch so breitbeinig durch den Osten marschieren, im Westen hat sie ein echtes Problem.

Mit ihren Rufen nach Mäßigung setzt die Parteispitze den Spagat fort, den sie seit Langem vollführt: Radikal sein, aber bürgerlich scheinen wollen. Parteichef Chrupalla betonte übrigens gestern, in der AfD gebe es keinen Rechtsextremismus. So viel zur ehrlichen Selbstanalyse.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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