Nach dem CDU-Parteitag Ein irritierend stabiles Vakuum

Nach dem CDU-Parteitag. Ein irritierend stabiles Vakuum .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Nach einem Parteitag gibt es selten wie im Boxring Sieger und Besiegte. Auch aus dem Leipziger CDU-Treffen taumelt keiner mit Veilchen raus. Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich als Parteivorsitzende stabilisiert. Es war clever von ihr, am Ende der ellenlangen Grundsatzrede plötzlich die Vertrauensfrage zu stellen. Nach wochenlangen „Die kann’s nicht“-Chören hat die Chefin ihre CDU überrascht. Das lehrt, dass man Kramp-Karrenbauer zumindest nicht hemmungslos unterschätzen sollte.

Was sich allerdings seriös nicht ablesen lässt, ist die Antwort auf die K-Frage. Wer wird die Union in die nächste Wahl führen? Es geht um eine Richtungsweisung für die Bundesrepublik, doch auch nach Leipzig ist die Entscheidung absolut offen. Keiner aus der Riege Kramp-Karrenbauer, Spahn, Merz, Laschet hat sich disqualifiziert, keiner groß hervorgetan. Die beste Rede hält ein Fremdling, der Chef der einst renitenten Schwesterpartei CSU: Mit einer Leichtigkeit, die der bleiernen CDU derzeit abgeht, begeistert Markus Söder den Saal. Ausgerechnet er gibt der CDU ein Stück Orientierung, wo Freund, Feind und Gegner zu suchen sind.

Söder wird die nächsten Wochen absehbar wieder zum Kanzlerkandidaten hochgeschrieben werden (oft vergiftet, selten aus Wohlwollen). Er hat gute Gründe, weiterhin vor 2024/25 alle Avancen abzulehnen. Für die Union heißt das, dass ihr K-Vakuum anhalten wird. Vielleicht sogar bis 2021. Falls nämlich diese Koalition nicht in Kürze an der SPD scheitert, schließt sich das Zeitfenster für einen Wechsel sehr schnell. Zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft nächstes Jahr wird man Stürze und Neuwahlen meiden. Aus der Leipziger Halle durfte eine Dame deshalb völlig kampflos und vielleicht am zufriedensten von allen abreisen: die ewige Kanzlerin Merkel.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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