Nach dem Anschlag von Hanau Der Hass als Nährboden

Nach dem Anschlag von Hanau. Der Hass als Nährboden .

MIKE SCHIER

Es waren kaum 24 Stunden seit der schrecklichen Tat von Hanau vergangen, als die öffentliche Debatte eine seltsame Wendung nahm. Nicht nur, aber vor allem die AfD erklärte, bei dem Massaker handele es sich nicht um Terrorismus, sondern die Tat eines psychisch Kranken. Als sei damit das klar rassistische Motiv relativiert.

Die Lehren aus den sich häufenden Fällen von rechtem Terror sind zweierlei: Zunächst müssen die Staatsschützer, die sich lange primär den Islamisten widmeten, den Fahndungsdruck auf die Szene massiv erhöhen. Hier bewegt sich viel in die richtige Richtung, seit der Verfassungsschutz nicht mehr von Hans-Georg Maaßen geleitet wird. Immer mehr deutet darauf hin, dass der Ex-Präsident sich wenig um die Bedrohung vom rechten Rand scherte. Jetzt geht es darum, Netzwerke zu durchleuchten und vor allem Kommunikationswege im Internet aufzudecken. Was bei den Islamisten große Fahndungserfolge zeitigte, funktioniert auch bei Rechtsterroristen.

Das zweite ist die gesellschaftliche Akzeptanz: Einer teils noch immer überbordenden Political Correctness steht inzwischen eine erstaunliche Schamlosigkeit gegenüber. Was mit „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ begann, ist heute offener Rassismus, Hass, auch Drohungen. Wer sich so äußert, stachelt gerade psychisch labile Geister zu Wahnsinnstaten an – und trägt Mitschuld.

Mike.Schier@ovb.net

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