Nach den Amokläufen Ein Egomane auf Reisen FRIEDEMANN DIEDERICHS

Nach den Amokläufen. Ein Egomane auf Reisen.

FRIEDEMANN DIEDERICHS

Es gab eine Zeit, als – nach dem Amoklauf eines jungen weißen Rechtsextremen in einer von Schwarzen besuchten Kirche im Bundesstaat South Carolina – der damalige Präsident Barack Obama 2015 bei der Trauerfeier mit den Anwesenden das Lied „Amazing Grace“ sang. Mit Tränen in den Augen. Es waren Szenen ehrlicher Anteilnahme, die die Nation bewegten. Was für ein Kontrast zur Ära Donald Trump. Seine Besuche in Ohio und Texas wurden doch tatsächlich – von der vom Präsidenten auf Twitter initiierten – Debatte überschattet, ob er am Ort des Massakers in Dayton wie ein „Rockstar“ empfangen wurde oder nicht. An einem Tag, an dem die Toten und deren Angehörigen im Mittelpunkt stehen sollten, rückte er sich wieder einmal selbst ins Zentrum des Geschehens.

Auch in El Paso konstatierte Trump, man sei ihm mit Liebe und Respekt begegnet – so als sei dies das Kern-Thema. Wie er sich doch irrt: Die meisten Offiziellen machten gute Miene zum bösen Spiel des Egomanen, der intellektuell nicht in der Lage scheint, zu begreifen, welches Verhalten mit Trauer, Innehalten und Gedenken an die ermordeten Menschen einhergehen sollte. Nichts wirkt an Donald Trump ehrlich, versöhnlich und von Herzen kommend – und schon gar nicht seine halbgaren Vorschläge zu einer Waffenrechts-Reform. Es war ein Tag, an dem er besser im Weißen Haus geblieben wäre.

Politik@ovb.net

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