Nach dem Tod al-Bagdadis Das lange Leben des IS MARCUS MÄCKLER

Nach dem Tod al-Bagdadis. Das lange Leben des IS .

MARCUS MÄCKLER

Es wirkt, als hätten die USA kurz vor ihrem finalen Abzug aus Syrien noch einen Pflock einschlagen wollen, den so schnell niemand umlegt. Die Liquidierung des IS-Anführers Abu Bakr al-Bagdadi ist Teil des Erbes, das die Amerikaner im Kampf gegen die Terrormiliz hinterlassen, und ein großer Erfolg – zumindest auf symbolischer Ebene. Bagdadi war ein Fixpunkt für IS-Rekruten und -Kämpfer, auch und gerade aus dem Ausland. So makaber es klingt: Der IS wird ohne ihn an Strahlkraft verlieren.

Aber daraus den Schluss zu ziehen, ohne ihr grimmiges Aushängeschild sei die Terrormiliz ganz am Ende, wäre ein Fehler. Dass sie gleich einen Nachfolger präsentierte, war ein Statement an alle Optimisten: Freut euch nicht zu früh. Überhaupt hat der IS sich seit dem Verlust seines Herrschaftsgebiets in Syrien und dem Irak wieder zur Guerilla-Truppe zurückgebaut, die in sehr kleinen Zellen effektiv operieren kann. In Syrien waren es vor allem die Kurden, die die Terroristen in Schach gehalten haben. Auch deshalb war es so blauäugig von US-Präsident Donald Trump, die Verbündeten im Stich zu lassen.

Man sollte den IS nicht groß reden. Aber er ist nicht geschlagen, er ist in anderer Gestalt noch immer da. Jeden Raum, den die internationale Gemeinschaft ihm lässt, wird er zur Erholung nutzen. Es muss darum gehen, ihm keine Sekunde zum Luftholen zu lassen. Nach dem US-Abzug wird das zur Bewährungsprobe für den Westen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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