MEINUNG

Der Mut zur Meinung schwindet - nicht erst seit der Corona-Krise

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  • vonMartin Prem
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„Der Politiker denkt an die nächsten Wahlen“, sagte der 1898 gestorbene britische Premiermister William Ewart Gladstone, „der Staatsmann an die nächste Generation“. Das waren noch Zeiten. Längst reicht der Horizont der Allermeisten nur bis zur nächsten Umfrage.

Glaubt man Demoskopen, sonnen sich die Politiker heute in breiter Zustimmung zum Corona-Lockdown, sie empfinden die verkorkste Energiewende als ausgesprochen populär und erleben Bürger, die ihr Autos mit Verbrennungsmotor mit großem Öko-Schuldbewusstsein außerhalb der Stadtgrenze parken.

Dumm nur, dass die erlebbare Wirklichkeit, mit dem in Umfragen ermittelten Bild so gar nicht zusammengepasst.

Öffentliche Meinungsäußerung für viele nicht mehr selbstverständlich

Unsere Zeitung erhält auf kritische Anmerkungen immer häufiger zustimmende Zuschriften mit dem Zusatz „kein Leserbrief“. Es ist für viele nicht mehr selbstverständlich, Meinung öffentlich zu äußern. Und es gibt ja die Tendenz, nicht nur abweichende Wertungen oder vermeintlich nicht korrekte Formulierungen zu kritisieren, sondern den Menschen dahinter zu ächten.

Nicht alle halten das aus. Viele sagen trotz zugesicherter Anonymität nur das, wovon sie glauben, dass man es so von von ihnen hören will. Das ist brandgefährlich. Mit dem offenen Diskurs verliert eine Demokratie ihren Lebensnerv.

Schreiben Sie unserem Autor: Martin.Prem@ovb.net

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