Müll in den Städten Abfall als Geschäftsmodell SEBASTIAN HORSCH

Müll in den Städten. Abfall als Geschäftsmodell .

SEBASTIAN HORSCH

Die Hersteller von Wegwerfartikeln sollen bald an den Reinigungskosten beteiligt werden, die wegen der vielen Einweg-Kaffeebecher, Pizzaschachteln oder Zigarettenkippen bei den Kommunen anfallen. Das ist ein guter Vorstoß. Denn der von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgestellte Plan setzt nicht nur aus ökologischer Sicht die richtigen Signale, er ist auch schlicht gerecht.

Moment mal, könnte man nun einwenden. Warum soll gerade hier plötzlich so konsequent das Verursacherprinzip angewandt werden? Schließlich gibt es noch viele andere Geschäftsbereiche, die Kosten für die Allgemeinheit verursachen. Ein Klassiker ist ja schon die Diskussion darüber, wer für die teuren Polizeieinsätze bezahlen soll, die die Heimspiele in der Fußball-Bundesliga mit sich bringen. Fängt man hier einmal an, müsste dann die Tabakindustrie nicht auch die Krankenkassen für die hohen Kosten des Rauchens entschädigen?

Vielleicht. Allerdings gibt es einen großen Unterschied. Denn während niemand Zigaretten kauft, weil sie krank machen, ist ein Wegwerfartikel genau deshalb attraktiv, weil man ihn schnell wieder loswerden kann. Dass der Kaffeebecher wenige Minuten nach dem Erwerb im Müll landet, ist kein unerwünschter Nebeneffekt, sondern Teil des Geschäftsmodells. Dazu gehört dann auch, dass den Müll wieder jemand wegräumt. Nur, dass für diesen Arbeitsschritt die Allgemeinheit bezahlt. Noch.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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