Mordauftrag aus Moskau

Berliner Attentat. GEORG ANASTASIADIS.

Einen „außerordentlich schwerwiegenden Vorgang“ nennt Bundesaußenminister Maas den offenbar von staatlichen russischen Stellen in Auftrag gegebenen Mord im Berliner Tiergarten. Der Generalbundesanwalt ist sich sicher, dass der Befehl zur Tötung eines Exil-Georgiers aus Moskau kam, und hat Anklage erhoben. Die Bundesregierung war lange bemüht, nicht allzu viel Wind um den Fall zu machen. Doch jetzt bleibt ihr, wenn sie ihr Gesicht wahren und Moskau nicht zu weiteren Aggressionen einladen will, gar keine Wahl, als den Auftragsmord als solchen zu benennen – und entsprechend zu reagieren.

Leisetreterei hilft bei Putin nicht weiter. Nutzte es der Kanzlerin etwas, dass sie jahrelang zögerte, bis sie dem Kreml nach dem groß angelegten Hackerangriff auf den Bundestag eine „Strategie der hybriden Kriegsführung“ vorwarf? Stets mahnten die, die für Nachsicht mit Moskau warben, damit, dass Russland eine von den USA gedemütigte Macht sei und dass man den Kreml zur Lösung internationaler Konflikte brauche. Ausgezahlt hat sich diese Strategie nicht: Kaum einen Schritt ist die Welt weitergekommen auf den Schlachtfeldern Syriens, Libyens und der Ukraine. Nicht aus der Beendigung der Kriege beziehen Putin und sein marodes Riesenreich ihre Macht. Sondern aus der Fähigkeit, sie am Köcheln zu halten und Europa damit unter Druck setzen zu können. Der Rückzug des alten Erzgegners USA besänftigt Putin keineswegs; im Gegenteil, es spornt ihn nur noch mehr an.

Ohne Russland geht es nicht. Mit ihm aber leider auch nicht. Respektiert wird von Putin nur, wer ihm mit Entschlossenheit begegnet. Die Debatte über ein Ende der Sanktionen ohne Gegenleistungen führt daher in die Irre.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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