Missbrauchs-Aufarbeitung Die Scham der Protestanten

Missbrauchs-Aufarbeitung. Die Scham der Protestanten .

CLAUDIA MÖLLERS

Es ist beschämend, dass die evangelische Kirche so lange gebraucht hat, bis sie sich jetzt einem der dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte stellt. Endlich wird der hundertfache Missbrauch von Kindern – zumeist von Heimkindern – aufgearbeitet. Es schien fast so, als hätten sich die evangelischen Landeskirchen weggeduckt, als vor acht Jahren der Sturm des Entsetzens über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche losbrach.

Doch auch die protestantische Schwester ist nicht frei von Schuld. Wieder sind es problematische Machtstrukturen, die derartige Übergriffe auf wehrlose Minderjährige ermöglicht haben. Aber es gibt deutliche Unterschiede in den möglichen Ursachen: Während in der katholischen Kirche unter anderem der Pflichtzölibat auch Kandidaten ins Priesteramt gelockt hat, deren verdrängte oder unreife Sexualität später zu den abscheulichen Taten führte, wird in der evangelischen Kirche eine falsch verstandene Reformpädagogik in den 70-er Jahren als eine der Ursachen angesehen.

Ähnliche Mechanismen aber gibt es im Umgang mit den Verbrechen: In beiden Kirchen galt der Schutz der Institution als oberstes Gebot. Taten wurden vertuscht, Täter geschützt. Deswegen muss es nun auch für die evangelischen Landeskirchen heißen: knallharte Aufklärung ohne Ansicht von Personen oder Institutionen.

Claudia.Moellers@ovb.net

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