Missbrauch in der Kirche Später Mut CLAUDIA MÖLLERS

Missbrauch in der Kirche. Später Mut .

CLAUDIA MÖLLERS

Kurz vor dem Beginn des mit Spannung erwarteten Vatikan-Gipfels zum Missbrauch hat Papst Franziskus ein überraschendes und donnerndes Zeichen gesetzt. Er hat über den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick (88), die schwerste Strafe verhängt, die die Kirche gegen Geistliche anwenden kann: Der Ex-Kardinal wird aus dem Priesterstand entlassen. Dieses Urteil wurde über einen Mann gefällt, der nicht nur gegenüber abhängigen Priesteramtskandidaten sexuell übergriffig wurde, sondern auch Minderjährige missbrauchte. Später ließ er sich sogar als Kämpfer gegen Missbrauch feiern.

Papst Franziskus, dem in den vergangenen Monaten selber vorgeworfen wurde, er habe den einst einflussreichen amerikanischen Bischof viel zu lange geschont, hat nun ein Machtwort gesprochen. Damit zeigt er in aller Deutlichkeit, wie ernst es ihm mit seiner „Null-Toleranz“-Strategie gegenüber übergriffigen Geistlichen ist.

Immer lauter war zuletzt Enttäuschung darüber geäußert geworden, dass den Reden von Franziskus keine Taten folgen. Jetzt hat er endlich eine konsequente Entscheidung getroffen. Ob sie den Schaden reduzieren kann, den die Glaubwürdigkeit der Kirche durch das Zögern in der Vergangenheit genommen hat, ist fraglich. Es kommt darauf an, ob die Bischöfe in aller Welt den Ernst der Lage erkennen und dem Beispiel des Papstes zu folgen bereit sind. Ab Donnerstag können sie das beweisen.

Claudia.Moellers@ovb.net

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