Ministerin Giffey entlastet Ein Funken Hoffnung für die SPD

Ministerin Giffey entlastet Ein Funken Hoffnung für die SPD

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Im Berliner Gruselkabinett gibt es Minister, von denen der normale Bürger fast noch nie gehört hat, jedenfalls nichts Gutes. Irgendwo in dieser Schattenwelt steckte auch Franziska Giffey fest, die junge Bundesfamilienministerin von der SPD. Ihr Verhängnis war nicht das bleierne GroKo-Mittelmaß der meisten Kollegen, sondern eine Plagiatsaffäre. Nun wird sie, trotz wissenschaftlich peinlicher Rüge, vom Betrugsvorwurf freigesprochen.

Das ist eine gute Nachricht. Giffey war (und ist nun wieder) für die SPD etwas sehr seltenes: eine Hoffnungsträgerin. Pragmatisch statt ideologisch. Eine, die Politik im Berliner Problemviertel gelernt hat und nicht im theoretischen Hinterzimmer-Diskurs des überalterten Ortsvereins. Die offene, direkte und oft herzliche Art, wie Giffey auf Menschen zugeht, ist selten geworden in der abgeschirmten, überinszenierten Bundespolitik. Vor allem steht Giffey in ihrer Partei seit ihren Jahren als zupackende, resolute Bezirksbürgermeisterin in Neukölln für einen Kurs der klaren Ordnung, des wehrhaften Rechtsstaats – sprich: Endlich mal wieder eine Genossin, der die echten Sorgen der Normalbürger nicht zu spießig sind.

Die SPD ist, was gern übersehen wird, politisch von zwei Seiten existenzbedrohend unter Druck geraten: Die Grünen gerieren sich moderner, hipper, linker. Gleichzeitig wenden sich die einfachen Leut’ von einer migrationsbewegten, enteignungsfantasierenden SPD irritiert ab, den Nichtwählern oder sogar der AfD zu. Für den Parteivorsitz kommt Giffeys Entlastung aktuell zu spät. Aber sie kann der SPD auch so wieder verlorenes Profil zurückgeben. Das ist nicht die Rettung, aber ein Funken Hoffnung.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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