Meuthens riskanter Vorschlag Die Einsamkeit der „Gemäßigten“

Meuthens riskanter Vorschlag. Die Einsamkeit der „Gemäßigten“ .

MARCUS MÄCKLER

Wer in der AfD nach Tabus sucht, sucht in der Regel vergebens. Ausgerechnet Parteichef Jörg Meuthen hat gerade eines freigelegt. Mit seinem Vorschlag, sich „einvernehmlich“ vom rechtsextremen „Flügel“ zu trennen, hat er die Partei kalt erwischt. Die nächste Häutung steht an, aber sie wird nicht so kommen, wie es der Chef will.

Meuthen, den Björn Höcke mit meinte, als er kürzlich so anspielungsreich wie geschmacklos vom „Ausschwitzen“ innerparteilicher Gegner sprach, hat dem Mantra von der Einheit der Partei stets offener misstraut als die meisten anderen. Nun sieht er: Seit der „Flügel“ vom Verfassungsschutz beobachtet wird, fallen die Umfragewerte (teils auf neun Prozent) und steigt die Gefahr, dass die Gesamtpartei beobachtet wird. Die Auflösung der rechtsextremen Gruppe, bloße Augenwischerei, ändert daran nichts. Vermutlich glaubte Meuthen, der „Flügel“ sei nun ausreichend geschwächt, um ihn zu attackieren – und übersah, dass es dafür zu spät ist. Allein die empörten Reaktionen von Chrupalla bis Gauland zeigen, wie sehr die Rechtsextremen die AfD schon durchsetzt haben – und wie einsam die letzten „Gemäßigten“ sind.

Der „Flügel“ und die anderen sind untrennbar miteinander verwachsen, sie sind eins. Wahrscheinlicher, als dass die AfD den „Flügel“ abstößt, ist deshalb, dass Meuthen bald den Weg Bernd Luckes und Frauke Petrys antritt. Der Chef ist zum Solitär geworden.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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